Monaco Yacht Show 2026: Grandweld startet mit Grandar in den Superyachtmarkt
Der Freitag, 25. September, brachte der 35. Monaco Yacht Show eine Nachricht, die eher von Werftstrategie als von einer einzelnen Auslieferung erzählt: Grandweld Shipyards stellte mit Grandweld Yachts eine eigene Marke für den Superyachtbau vor. Zum Start gehören zwei Grandar-Modelle mit 60 und 65 Metern. Am selben Tag präsentierte Romeo Marine sein fertiges Romeo 55 und gab einen Ausblick auf das im Bau befindliche Romeo 60. Der dritte Messetag zeigte damit, wie Dubai seinen Anspruch im großen Yachtbau ausweitet und warum Modellankündigung, Bauprojekt und fertige Yacht nicht in einen Topf gehören.
Der dritte Messetag rückt die Werften in den Mittelpunkt
Am Freitag war der Hafen von 10 bis 18.30 Uhr für Besucher geöffnet. Neben den Yachten an den Stegen ging es in den Pressegesprächen auch um die Unternehmen hinter künftigen Neubauten. Grandwelds Auftritt war dabei mehr als die Vorstellung zweier Designs: Die in Dubai ansässige Werft will mit Grandweld Yachts eine eigene Sparte für Superyachten aufbauen.
Das ist ein anderer Schritt als ein einzelnes Modell zu zeigen. Eine Marke bündelt Vertrieb, Projektentwicklung und die Vorstellung davon, welche Art von Eigner und Nutzung sie ansprechen soll. Ob daraus ein tragfähiges Neubauprogramm wird, entscheidet sich allerdings erst in den kommenden Projektphasen.
Grandweld wechselt vom Arbeitsboot zum privaten Großyachtprojekt
Grandweld ist im maritimen Geschäft kein neuer Name. Das Unternehmen baut unter anderem Crew- und Lotsenboote, Fähren, Offshore-Schiffe und Schlepper. Die eigene Werft beschreibt ihren Ablauf als integrierten Prozess aus Konstruktion, Engineering, Beschaffung, Fertigung und Inbetriebnahme. Mit Grandweld Yachts soll diese industrielle Basis nun auch für private Superyachten genutzt werden.
Der Unterschied liegt nicht allein in der Größe. Ein kommerzielles Schiff wird nach einem klar umrissenen Einsatzprofil gebaut; eine private Yacht muss zusätzlich Wohnbereiche, Crewabläufe, individuelle Ausstattung und langfristigen Eignerservice zusammenbringen. Erfahrung in Stahl- und Aluminiumbau ist dafür eine wichtige Grundlage, ersetzt aber nicht die Referenzen und Abläufe, die sich im Superyachtbau erst über konkrete Projekte beweisen.
Zwei Grandar-Entwürfe setzen den Rahmen
Für den Start nennt Grandweld zwei Modelle. Die veröffentlichten Daten zeigen eine Ausrichtung auf große Familiengruppen und längere Reisen.
| Merkmal | Grandar 60 | Grandar 65 |
|---|---|---|
| Länge | 60 m | 65 m |
| Vermessung | 1.100 GT | 2.400 GT |
| Gäste | 12 in 6 Kabinen | 16 in 8 Kabinen |
| Angegebene Reichweite | 5.500 sm bei 11 kn | 6.000 sm bei 10 kn |
| Höchstgeschwindigkeit | 15 kn | 14 kn |
Beide Profile sehen Stahlrumpf und Aluminiumaufbau vor. Die Grandar 60 ist mit neun Crewkabinen für 16 Besatzungsmitglieder angegeben, die Grandar 65 mit elf Kabinen für 19. Auch ein Hubschrauberlandeplatz gehört laut veröffentlichten Spezifikationen zu beiden Entwürfen.
Die Werte sind Planungsangaben des Anbieters. Sie beschreiben die angebotenen Modelle, nicht Messwerte eines fertigen Schiffs. Ebenso lässt sich aus der Vorstellung der Reihe noch kein Bauauftrag ableiten. Für Interessenten ist dieser Unterschied wichtig: Ein Modellblatt hilft beim Vergleich, ersetzt aber weder einen bestätigten Vertrag noch einen belastbaren Bauzeitplan.
Gulf-Leben als Ausgangspunkt der Modellfamilie
Grandar richtet seine Entwürfe ausdrücklich an die Nutzung im Golf und an Reisen zwischen verschiedenen Saisonrevieren. Die großen Aufenthaltsbereiche und die hohe Zahl möglicher Gäste passen zu diesem Profil. Bei der Grandar 60 stehen sechs Gästekabinen und ein ausgeprägter Familienbereich im Mittelpunkt; die 65-Meter-Version vergrößert die Kapazität und das Raumangebot nochmals.
Damit hebt sich die neue Marke nicht durch einen einzelnen Antrieb oder eine radikale Rumpfform ab. Ihre Positionierung entsteht vor allem aus Größe, Reichweite und der Vorstellung eines Yachtslebens mit großen Familien- und Gästerunden. Wie überzeugend das Konzept ist, hängt später davon ab, ob Grundrisse, technische Systeme und Crewlogik im konkreten Neubau zusammenpassen.
Romeo Marine liefert den Gegenpunkt aus Dubai
Im offiziellen MYS-Programm war für Freitag um 10.30 Uhr ein Pressegespräch von Romeo Marine angesetzt. Im Mittelpunkt standen die fertige Romeo 55 vor ihrem internationalen Debüt sowie ein Ausblick auf die Romeo 60, die sich bereits im Bau befindet. Das sind greifbarere Projektstände als die veröffentlichten Grandar-Modellprofile.
Romeo Marine beschreibt seine Werft in Dubai Maritime City mit 12.000 Quadratmetern Fläche und einer 120 Meter langen Bauhalle. Das Unternehmen gibt an, Yachten von mehr als 100 Metern Länge bauen zu können. Zusammen mit dem Romeo-Programm zeigt das, dass Dubai nicht nur als Standort für maritime Infrastruktur auftritt, sondern auch eigene Kapazitäten für den Bau großer privater Yachten entwickeln will.
Entscheidend ist der nächste belegbare Schritt
Der Freitag brachte deshalb zwei unterschiedliche Nachrichten aus derselben Stadt. Romeo Marine konnte mit einem fertigen 55-Meter-Schiff und einem laufenden 60-Meter-Projekt über Baufortschritt sprechen. Grandweld stellte zunächst eine neue Sparte und zwei Modellprofile vor. Beide Meldungen zeigen Ambition, aber sie stehen nicht auf derselben Stufe.
Bei Grandar werden die nächsten belastbaren Signale ein bestätigter Auftrag, die Freigabe der endgültigen Spezifikation und der Beginn des Baus sein. Bei Romeo zählen Baufortschritt, Übergabe und die Betreuung nach der Auslieferung. Erst solche Meilensteine zeigen, ob aus Messegesprächen langfristige Produktionsprogramme werden.
Genau darin lag der Nachrichtenwert des dritten MYS-Tages: Der Superyachtbau in Dubai bekommt weitere Marken und Entwürfe. Für den Markt ist nun weniger entscheidend, wie viele Meter auf den ersten Renderings stehen, sondern welche Projekte den Weg vom Modellblatt in die Werft und schließlich ins Wasser schaffen.