Monaco Yacht Show 2026: Der erste Tag verbindet Weltpremieren mit messbarer Verantwortung
Am 23. September eröffnete die 35. Monaco Yacht Show in Port Hercule. Der Auftakt brachte drei sehr unterschiedliche Weltpremieren, eine Flotte mit mehr als 120 Superyachten und die Blue Wake Awards zusammen. Schon am ersten Tag wurde sichtbar, wie breit der Wettbewerb heute aufgestellt ist: Performance, elektrische Fahrt und nachweisbare Umweltwirkung stehen nebeneinander.
Die Flotte macht den Auftakt zum Marktüberblick
Der Monaco Yacht Show bündelt Neubauten, verfügbare Yachten aus dem Brokerage- und Chartermarkt, Werften, Designer und technische Dienstleister an einem Ort. Der Veranstalter erwartet mehr als 120 Superyachten und über 60 Luxus-Tender. Laut offizieller Flottenliste sind 43 der Yachten Auslieferungen des Jahres 2026.
| Eckdaten des MYS 2026 | Stand zum Auftakt |
|---|---|
| Ausgabe | 35. Monaco Yacht Show |
| Termin | 23. bis 26. September 2026 |
| Superyachten | mehr als 120 |
| Luxus-Tender | mehr als 60 |
| Für 2026 gelistete Auslieferungen | 43 Yachten |
Diese Mischung verändert die Funktion der Messe. Käufer können nicht nur über künftige Neubauten sprechen, sondern auch mit nahezu neuen oder bereits eingefahrenen Yachten vergleichen. Brokerage, Charter und Neubau stehen damit nicht getrennt nebeneinander. Sie werden zu unterschiedlichen Antworten auf dieselbe Frage: Welche Yacht passt zum gewünschten Einsatz, zum Zeitplan und zum Betriebsmodell?
Ein Auftakt für eingeladenes Publikum
Der Mittwoch war als Eröffnungstag besonders geregelt. Der Zugang zur Dockside Area mit den ausgestellten Yachten war auf geladene Gäste sowie MYS-VIP- und Prestige-VIP-Gäste beschränkt; reguläre Besucher erhielten diesen Bereich ab Donnerstag. Für Werften und Broker schafft das einen ruhigeren Rahmen für erste Termine, während die Pressekonferenzen die wichtigsten Neuigkeiten des Tages bündelten.
Das Programm setzte früh drei klare Akzente: Die BRABUS AB110 feierte ihre Weltpremiere, Sunreef stellte die 100 Eco vor und Sirena präsentierte am Nachmittag die neue 42M. Parallel zeichnete Blue Wake Unternehmen und eine Yacht für nachweisbare Fortschritte in Bereichen wie Energie, Materialkreislauf und Schutz von Meeresökosystemen aus.
Drei Weltpremieren, drei Marktprofile
Die Neuheiten am Eröffnungstag ließen sich nicht auf eine gemeinsame Größen- oder Designformel reduzieren. Sie richteten sich an unterschiedliche Eignerprofile und zeigten, wie vielseitig sich das Superyachtsegment entwickelt.
| Premiere | Länge | Profil |
|---|---|---|
| BRABUS AB110 | 33,70 m | Hochleistung und Design einer neuen Markenkooperation |
| Sunreef 100 Eco | 29,37 m | Segelkatamaran mit elektrischem Antrieb und integrierter Solarenergie |
| Sirena Superyachts 42M | 42,23 m | Sirenas erster Stahl-Superyacht-Neubau |
BRABUS AB110: Eine Automarke macht den Sprung aufs Wasser
Mit der AB110 stellte BRABUS erstmals eine Yacht unter eigenem Namen vor. Das Modell entstand gemeinsam mit AB Yachts und überträgt die markante Designsprache der deutschen Marke auf eine 33,70 Meter lange Hochleistungsplattform. Bis zu drei MTU-Motoren und Wasserstrahlantrieb sollen eine Höchstgeschwindigkeit von 48 Knoten ermöglichen.
Der Auftritt ist strategisch interessant, weil die AB110 zugleich Auftakt einer dreiteiligen Modellfamilie ist. BRABUS bringt damit eine Marke mit hoher Wiedererkennbarkeit in einen Markt, in dem Technik, Exklusivität und Design zusammen verkauft werden. Die Premiere testet, ob diese Markenlogik auch auf dem Wasser trägt und ob Performance-Kunden ein eigenständiges Ausstattungsangebot suchen.
Sunreef 100 Eco zeigt, wie elektrische Fahrt weitergedacht wird
Die 29,37 Meter lange Sunreef 100 Eco verbindet Segelantrieb mit zwei 360-kW-Elektromotoren, einer Batteriebank mit 770 kWh und in Rumpf, Aufbauten und Bimini integrierten Solarmodulen. Das erste Exemplar war bereits im Juni zu Wasser gelassen worden; in Monaco stand nun seine Weltpremiere im Mittelpunkt.
Der Katamaran ist deshalb bemerkenswert, weil Segeln, Solarertrag und Batteriespeicher als gemeinsames Energiesystem gedacht werden. Welche Reichweite und Autonomie sich im realen Betrieb ergeben, hängt weiterhin von Wetter, Geschwindigkeit und Bordverbrauch ab. Das Projekt zeigt, dass solche Energiearchitekturen inzwischen auch in einer großzügigen, für längere Reisen gedachten Yacht angeboten werden.
Sirena 42M markiert den Einstieg in den Stahl-Superyachtbau
Mit der Sirena 42M stellte Sirena Marine das bisher ambitionierteste Projekt seiner Superyacht-Sparte vor. Die 42,23 Meter lange Yacht ist die erste Stahl-Superyacht der Werft. Die Pressekonferenz am späten Nachmittag rückte neben dem Schiff selbst auch die Designidee und den Schritt in eine neue Größen- und Konstruktionsklasse in den Mittelpunkt.
Für Sirena ist dieser Neubau mehr als ein größeres Modell. Stahlbau bringt andere Anforderungen an Projektmanagement, technische Integration und langfristigen Betrieb mit sich als die kleineren Composite-Yachten, mit denen die Marke vielen Kunden vertraut ist. Die 42M muss deshalb nicht nur durch ihre Länge überzeugen, sondern auch zeigen, dass Sirena die Abläufe und Betreuung für ein deutlich komplexeres Eignerprojekt beherrscht.
Blue Wake bewertet Lösungen nach ihrer Wirkung
Einen zweiten Schwerpunkt setzte die Vergabe der Blue Wake Awards. Das Programm der Messe und der Water Revolution Foundation prüft Lösungen anhand konkreter Umweltdaten. Für 2026 wurden 60 Projekte validiert; eine Jury wählte daraus fünf Kategoriengewinner und einen Sonderpreis für eine Yacht.
Zu den ausgezeichneten Beiträgen gehörten unter anderem TYKUN-Tender mit einer Lebenszyklusanalyse, Posidonia-Seegras-Restaurierung durch Marina Ibiza und die Segelyacht Simena von Ares Yachts. Die 62 Meter lange Simena verbindet traditionellen Segelantrieb mit einem parallelen Hybridsystem; in ihrer YETI-Bewertung lag sie laut MYS elf Prozent über dem Flottendurchschnitt. Der Wert dieser Auszeichnung liegt in der Bewertungsmethode: Sie lenkt den Blick von allgemeinen Nachhaltigkeitsversprechen auf Daten, Betrieb und überprüfbare Wirkung.
Weitere Premieren zeigen die Breite des Messeprogramms
Auch jenseits der drei Eröffnungs-Highlights war der Hafen auf Neuheiten ausgerichtet. Die Ferretti Group brachte drei Premieren mit: die Riva 54Metri, die CRN 67m Amor à Vida und die Custom Line Navetta 35. Die 54Metri besteht vollständig aus Aluminium und bleibt unter 500 GT; die Amor à Vida nutzt ein Hybridantriebssystem. Tankoa zeigte mit der 45 Meter langen Singolare und der 52 Meter langen Spirit ebenfalls zwei Weltpremieren.
Diese Projekte bedienen verschiedene Maßstäbe und Nutzungsideen: von der Aluminiumyacht unter 500 GT über einen großen Custom-Neubau mit Hybridantrieb bis zur individuell ausgestatteten Langfahrtyacht. Zusammen mit den Eröffnungspremieren zeigt sich ein breites Feld eigenständiger Antworten auf Fragen nach Geschwindigkeit, Raum, Energie und persönlichem Bordleben.
Was der erste Tag über den Yachtmarkt verrät
Ob aus den Gesprächen neue Aufträge entstehen, wird sich nach der Messe zeigen. Schon der Auftakt macht sichtbar, welche Argumente die Branche gleichzeitig nach vorn stellt: starke Markenidentität, eigenständige Rumpf- und Antriebskonzepte, klare Nutzungsideen und messbare Umweltleistungen.
Genau darin liegt die Aussage des ersten MYS-Tages. Die Relevanz eines Projekts entsteht zunehmend auch aus seinem Einsatzprofil und der Qualität seiner technischen und ökologischen Argumente. Sunreef, Sirena und BRABUS kamen mit grundverschiedenen Premieren nach Port Hercule. Blue Wake ergänzte die Produktmeldungen um eine Prüfung konkreter Wirkung. Für die weitere Messewoche ist damit die Leitfrage gesetzt: Welche dieser Ideen überzeugen im langfristigen Betrieb?